Stillen – eine Ära ging zu Ende …

Ich habe ja bereits seit Längerem meine Stillgeschichte angekündigt – tatsächlich ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, denn meine persönliche Stillzeit ist nun nach 4 1/2 Jahren am letzten Sonntag zu Ende gegangen und bietet nun den perfekten Anlass, meine Gedanken von der Seele zu schreiben!

Bevor A auf die Welt gekommen ist, wusste ich genau, dass ich stillen möchte und war mir sicher, dass ich perfekt vorbereitet bin.

Dann war er da und alles war anders … plötzlich gabs kein geplantes Bonding, weil er auf Intensiv musste und erst 16 Stunden nach der Geburt wieder bei mir war. Und das Anlegen war alles andere als easy, es war richtig harte Arbeit! Und die Schwestern waren zwar bemüht, aber richtig helfen konnten sie uns nicht!

Zu Hause angekommen war ich einfach nur verzweifelt und habe nach ein paar Tagen bzw Nächten Schlaflosigkeit und Stillkampf beschlossen, ihm abends ein Flascherl zu geben. Im Nachhinein betrachtet war das ein großer Fehler, aber damals schien es richtig.

Was ich nämlich nicht bedachte, waren folgende Probleme:

– dass Babys, die nicht von alleine halbwegs regelmäßig trinken, unbedingt geweckt werden müssen (tagsüber alle 2-3 Stunden, nachts in den ersten Tagen auch alle 4 Stunden – bei schlechter Zunahme auch länger als nur ein paar Tage!)

– dass alles, was ein Baby aus der Flasche trinkt, die Brust nicht produziert und somit immer „zu wenig“ da ist und nach Schüben noch weniger bleibt; dies zwangsläufig zum Abstillen führt!

– dass A durch den Wechsel von Brust und Flasche schon von Beginn an eine Saugverwirrung hatte, da die Milch aus der Flasche leichter rausgeht und er an der Brust dadurch gar nicht mehr richtig getrunken hat!

A war ein ruhiges und ausgeglichenes Baby, hat schon nach 8 Wochen von 20 bis 8 Uhr durchgeschlafen und uns kam nicht in den Sinn, dass irgend etwas nicht stimmen konnte. Als er nach 5 Monaten plötzlich anfing, an der Brust zu streiken und nicht mehr durchschlief, fingen wir erst an zu erkennen, dass womöglich doch etwas nicht stimmte.

Ich wendete mich an die Stillberatung im Forum Stillen und Tragen und es war bald klar, dass er zu wenig zugenommen hatte, sowie sich die Saugverwirrung nun äußerte. Abstillen war für mich keine Option, daher kämpfte ich für das Stillen!

Es war klar: die Flasche musste weg! Nach verzweifelten Versuchen, ihm das Pre mit dem Becher und Löffel zu füttern, entschieden wir uns – da er bereits im Beikost-Alter war – dafür, ihm abends einen Grießbrei mit Pre zu füttern. Ansonsten stillte ich wieder vermehrt und bereits nach wenigen Tagen war es wie eine Offenbarung: er trank und nahm super zu! Da ich jedoch BLW als bevorzugte Beikostvariante auserkoren hatte, verschwand der Brei sehr bald bzw. wurde von A mit Händen und dem ganzen Gesicht aufgenommen 😉 Tatsächlich war aber erst das der Start für unsere schöne Stillbeziehung, die davor so holprig gewesen war.

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Als ich mit L schwanger wurde, war A nicht ganz 2 Jahre alt und es kam mir nicht richtig vor, ihn abzustillen, um ihm kein ungutes Gefühl dem Baby gegenüber zu geben. Zumal es nach dem Flascherl eine sehr erfüllte Stillzeit war, A dann während der Schwangerschaft nur noch morgens und abends getrunken hatte.

2013 machte ich dann die Stillberater-Ausbildung beim ÖAFS und schloss diese 2014 mit dem Zertifikat ab. Die Ausbildung war sehr erfüllend, es war eine Offenbarung und vor allem die Aufarbeitung meiner Stillgeschichte mit A war befreiend. (Im März 2016 habe ich mit einer Fortbildung über „Gedeihstörungen“ mein Zertifikat verlängert.)

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Bei Ls Geburt sollte alles anders werden und obwohl es vorerst nicht so ausgesehen hatte, durfte ich L in unserem Wohnzimmer bekommen. Die Startbedingungen waren daher optimal und natürlich wusste ich durch die Stillberater-Ausbildung beim ÖAFS, was bei A alles schief gelaufen war!

Nach Ls Geburt lief von Beginn an alles perfekt und auch A stillte noch jeweils morgens und abends, was zu einem kleinen Ritual zwischen Mama und Erstgeborenem wurde und uns vor Eifersuchtsdramen bewahrt hat!

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Das 1. Tandem-Stillen wenige Stunden nach Ls Geburt

Rund um As 3. Geburtstag hatte ich beschlossen, ihn nicht mehr stillen zu wollen und das Abstillen ging ohne Protest oder Drama von einem Tag auf den anderen!

Was mich schon während der 2. Schwangerschaft und leider auch danach begleitete, waren gesundheitliche Probleme mit meinem Diabetes in Folge der Hormone. Und obwohl das Stillen bei L so problemlos war, wurde mir bald bewusst, dass es dieses Mal nicht so lange gehen würde.

Nach mehreren gescheiterten Versuchen, sie wenigstens nachts abzustillen, habe ich es in den letzten Wochen auf nachts reduziert und wusste, dass der Krankenhausaufenthalt mit A womöglich die einzige Chance ist, das endgültige Abstillen zu versuchen. So entschied ich mich nach ca. 54 Stunden räumlicher Trennung und Stillfreiheit dafür, dran zu bleiben und läutete damit das Ende unserer Stillzeit ein.

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Unser letztes Stillfoto – 2 Tage vor dem Abstillen am Klopeinersee

L habe ich somit 23 Monate gestillt, davon 5 1/2 Monate voll.

Aber auch wenn es manchmal anstrengend war, möchte ich keine Sekunde missen! Ich habe das Stillen nie als Opfer empfunden oder als Aufgabe meiner persönlichen Freiheit!

Ganz im Gegenteil: oft war es DIE Rettung an schlimmen Tagen und in schlimmen Nächten sowieso 😉

Und es hat mich sowohl als Mutter als auch als Mensch verändert, wobei das Kinder wahrscheinlich sowieso tun 😉

Wenn ihr Probleme oder spezielle Fragen zu dem Thema habt, dürft ihr euch gerne bei mir oder meinen Kolleginnen beim ÖAFS, LLL oder IBCLC melden. Ich kann euch auch diverse Infomaterialien per Mail schicken, die ich im Laufe der Zeit gesammelt und für gut befunden habe!

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Ich wünsche euch noch einen schönen Tag!

Alles Liebe, eure Schnipselmama Ute

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