Wie ist das mit der Beikost?

Ich hatte heute einen total netten Beikost-Workshop. Obwohl ich nur mit 2 Mamas gerechnet hatte, waren dann tatsächlich 4 interessierte Mamas plus Babys bei mir, was mich sehr gefreut hat!

Zum Durchlesen für Zuhause hab ich auch ein Handout erstellt und dachte mir dann: Eigentlich könnte ich das auch mit Anderen teilen!

Also kommt hier mein ganz persönlicher Beikost-Leitfaden:

Grundsätzliches

Egal, ob dein Baby gestillt wird, ob es Pre-Milch bekommt oder beides, die Nahrung eines Babys sollte unbedingt bis zum 1. Geburtstag hauptsächlich aus Milchnahrung bestehen!

Beikost ist – wie der Name eigentlich schon verrät – BEI-Kost und nicht Ersatz-Kost … Ziel der Beikost ist es also NICHT, die Milchmahlzeiten zu ersetzen!!!

Ziel der Beikost ist es, das Baby neben der Hauptnahrung Milch langsam an das feste Essen und den Familientisch heranzuführen!

Wann beginne ich mit Beikost?

Die WHO empfiehlt nach wie vor (auf der ganzen Welt), 6 Monate voll zu stillen und dann neben geeigneter Beikost weiter zu stillen bis zum 2. Geburtstag oder darüber hinaus, so lange Mutter und Kind dies wollen! [Wenn man nicht stillen kann oder möchte, gilt dasselbe für Pre-Milchnahrung!]

Trotzdem hört und liest man in den letzten Monaten immer wieder, dass man Babys bereits mit 4 Monaten Beikost geben sollte …

Diese „Empfehlung“ geht davon aus, dass Mütter nur 6 Monate stillen und danach gar nicht mehr. Es ist jedoch absolut wichtig, dass die Beikosteinführung noch während dem Stillen stattfindet, damit es für das Verdauungssystem die geringste Belastung ist.

Trotzdem: Es sollten die Beikostreifezeichen von Babys beachtet werden und in 90 % der Fälle sind diese erst ab dem 5. Monat (NACH der 20. Woche) langsam zu erkennen, oft erst nach 6 Monaten!

Was passiert, wenn mein Baby zu früh feste Nahrung bekommt, obwohl es noch nicht beikostreif ist?

Die größte Gefahr ist eine Belastung des Verdauungssystems. Bauchweh und Durchfälle können sofort auftreten, es kommt aber auch vor, dass diese Probleme erst nach ein paar Jahren ans Tageslicht kommen.

Der zweite große Punkt sind Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Allergien, wie es in den letzten Jahren immer mehr geworden ist. Hier ist es tatsächlich so, dass diese Probleme erst nach ein paar Jahren auftreten und oft niemand mehr daran denkt, dass die Ursache vielleicht an der zu frühen Beikost liegen könnte.

Beikostreifezeichen

  • Das Baby kann den Kopf ohne Hilfe halten!
  • Das Baby kann seine Sättigung deutlich anzeigen!
  • Das Baby ist in der Lage, mit minimaler Unterstützung des unteren Rückens aufrecht zu sitzen!
  • Das Baby zeigt Interesse am Essen der Familienmitglieder UND macht Kaubewegungen, während es beobachtet! („Es schaut dem Essen nach“ alleine ist KEIN Reifezeichen, das machen sie oft bereits mit 3 Monaten!)
  • Das Baby kann die Bewegung „Hand-Mund“ gut koordinieren –> Pinzettengriff
  • Der Zungenstreckreflex, der Babys feste Nahrung wieder aus dem Mund schieben lässt, ist beinahe oder gänzlich verschwunden.

 

Die Beikostreifezeichen sind zu 90 % vorhanden – wie geht es jetzt weiter?

Was darf mein Baby essen und wie?

  • Man kann Babys Essen entweder püriert oder auch als Sticks anbieten, die das Baby in die Faust nehmen kann!
  • Obst: frisch, reif, gewaschen und anfangs ungeschält – am besten saisonal und regional
  • Gemüse: frisch, reif, gewaschen, saisonal und regional – in Wasser schonend gegart ohne Salz
  • Falls möglich, sollte man mit Lebensmitteln beginnen, die man während der Schwangerschaft und Stillzeit schon häufig gegessen hat. Babys „kennen“ diesen Geschmack bereits und tun sich dann leichter.
  • Das Baby niemals zum Essen zwingen – es soll Spaß machen und grade am Anfang soll „erforscht“ werden und das machen Kinder, indem sie „spielen“!
  • Es soll nach Bedarf essen, so wie gestillt wurde!
  • Wenn möglich, zum Beginn eine ruhige Zeit wählen – sich selbst nicht stressen und das Kind auch nicht!
  • Das Baby sollte ausgeglichen und ruhig sein, nicht zu hungrig, aber auch nicht zu satt.
  • Speisen nicht zuckern, salzen oder scharf würzen!
  • Mahlzeiten immer frisch machen am Anfang, nichts aufwärmen!
  • Zum Beikost-Start sollte man Wasser aus dem Becher oder Glas anbieten – anfangs zum Trinken-Lernen, später wenn mehr gegessen wird, sollte es mehr trinken.

Wie?

Immer noch am weitesten verbreitet ist das Füttern des Babys mit Brei.

Tatsächlich ist dies in den letzten Jahren mehr als überholt worden. Die mittlerweile auch von Stillberaterinnen und Kinderärzten empfohlene Beikostform ist BLW.

Was ist BLW?

  • BLW bedeutet Baby-Led Weaning und heißt übersetzt „Baby-gesteuertes Abstillen“.
  •  Das Baby bekommt die Beikost nicht gefüttert, sondern isst selbst!
  •  Dies kann sowohl Brei sein (Baby isst den Breit mit den Fingern, später mit dem Löffel), als auch Sticks und Stücke, welche es in die Faust nehmen kann.

Was sind die Vorteile von BLW?

  • Man sitzt gemeinsam am Esstisch und alle essen GLEICHZEITIG: keines unserer Essen wird kalt, weil ein Baby gefüttert werden muss.
  • Das Baby lernt das Essen in der Form kennen, wie es tatsächlich ist.
  • Es kann verschiedene Dinge probieren und lernt unterscheiden, während bei Breifütterung alles zusammengemixt wird.
  • Die Fingerfertigkeit wird perfekt trainiert.
  • Kinder, die mit BLW die Beikost begonnen haben, tun sich leichter beim „Umstieg“ auf „normales“ Essen, während viele Breikinder mit Stücken oft länger Probleme haben, weil sie es nicht gewohnt sind (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel)

So läuft BLW meistens ab:

1. Schritt (ab 6 Monaten!): (halb)festes Essen in die Hände/den Mund nehmen, dran lutschen und saugen, evtl. was abbeißen und wieder ausspucken – hier kommt es ab und zu zum Würgen und Übergeben
2. Schritt: kauen und im Mund herum schieben, kleine Teile werden bereits geschluckt (können teilweise unverdaut wieder ausgeschieden werden)
3. Schritt: abbeißen, kauen und schlucken – ab da essen die meisten Kinder immer mehr und besser; im Schnitt ist das um die 9 Monate der Fall, nun werden spätestens die Stillmahlzeiten reduziert (auch das geht vom Kind aus!!! Weaning bedeutet eigentlich Abstillen! Und Baby-led heißt, dass es vom Kind geführt ist, also nur vom Baby ausgeht!)
4. Schritt: Um den ersten Geburtstag herum essen die Kinder normal mit und beginnen sich abzustillen, da sie die Milch als Nahrungsquelle nicht mehr benötigen. Stillen kann aber weiterhin eine Trostquelle bleiben – so das Kind es braucht und die Mutter nichts „dagegen“ hat.

Wie haben wir das gemacht?

Wie begannen mit:

Apfel, Banane, Birne roh und gewaschen

Karotte, Gurke, Zuchini, Kartoffeln gedämpft, gekocht oder im Backrohr gebacken

→ alles in Sticks, welche das Baby in die Faust nehmen kann

Maisstangerl und Reiswaffeln – aus dem Bioladen Liezen, denn in normalen Geschäften ist oft Salz enthalten

Nach etwa 2 Wochen:

Faschiertes, Vollkornnudeln (Spiralen), Couscous, Hühnerfleischsticks, Rindfleischsticks, uVm

 

Entgegen weit verbreiteter Irrtümer darf ein Baby nicht nur bestimmte Lebensmittel und diese nacheinander, sondern wichtig ist nur die Zubereitung und dass es gesund ist.

Als meine Kinder jeweils ca. 8 Monate alt waren, aßen sie großteils bei unserem Essen mit. Sie bekamen ihre Portionen jedoch anfangs ungesalzen. Wenn wir einmal Appetit auf etwas Ungesundes hatten, wurde für Baby extra gekocht.

Gestillt wurde bei beiden weiterhin nach Bedarf, dies wird normalerweise sowieso immer weniger, jedoch bei Krankheit, Zahnen oder einem Wachstumsschub kann es immer wieder mehr werden. Dies ist kein Grund zur Besorgnis!

Aber mein Baby hat noch keine Zähne – wie soll es das essen? Und verschluckt es sich nicht? Ich habe Angst, dass mein Baby erstickt!

Dies sind nur wenige der Vorurteile, mit denen wir BLW-Eltern immer wieder kämpfen müssen. In erster Linie möchte ich jedem das sagen, das ich damals auch lernen musste: „Vertraue deinem Kind!“

– Babys Kauleiste ist so hart, dass es durchaus weiche Dinge abbeißen und damit kauen kann! Wem ein zahnloses Baby schon einmal in den Finger gebissen hat, der weiß das 😉

– Babys Würgereflex ist viel weiter vorne als bei uns Erwachsenen. Würgt das Baby also, heißt es nicht, dass es gleich erstickt! (Anton hat ein Mal eine Birnenschale mitgegessen, die er unzerkaut schlucken wollte und am Gaumen kleben blieb – der Würgereflex hat sich sogleich gemeldet und er konnte die Schale wieder ausspucken)

In so einem Fall heißt es, Ruhe zu bewahren und keine überstürzten Bewegungen zu machen. Das Baby behutsam aus dem Hochstuhl nehmen und den Kopf nach vorne beugen, damit das Essen leichter den Weg nach draußen finden kann.

Aber selbstverständlich gibt es auch bei BLW einige Dinge zu beachten:

Die goldenen BLW-Regeln

Die BLW-Regeln.jpg

Gibt es Ausschlussgründe für BLW?

Wenn das Baby tatsächlich beikostreif ist, eigentlich nicht!

Wenn es in deiner Familie eine Vorgeschichte von Allergien, Verdauungsproblemen oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten gibt, sollte man vor Beikoststart mit dem Kinderarzt sprechen.

Wenn das Baby spezielle Bedürfnisse hat, nicht gut kauen kann oder es Schwierigkeiten hat, das Essen in die Hand zu nehmen und zum Mund zu führen, ist es entweder noch nicht beikostreif oder man sollte lieber Brei füttern.

Buchempfehlung & Hauptquelle:

blw buch.jpg

Weitere Quelle:

http://breikasper.nielsrump.net/?page_id=8


Ich hoffe, ich konnte dir einen guten Einblick in dieses Thema geben. Selbstverständlich ist nichts in Stein gemeißelt … die Empfehlungen ändern sich immer wieder von Zeit zu Zeit und leider kommen diese Informationen selten bis gar nicht bei Fachpersonal an! Im Zweifel lohnt es sich immer, bei den Stillverbänden nachzufragen, die eigentlich immer auf dem neuesten Stand sind:

ÖAFS         La Leche Liga           IBCLC

Alles Liebe, deine Schnipselmama

 

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4 Kommentare zu „Wie ist das mit der Beikost?

  1. Danke für den tollen Bericht!
    Bei unserem Baby war mit fast 6 Monaten Interesse da, das Essen wurde aber nur abgenuckelt. Das ging ein paar Wochen so, wobei es schon Kaubewegungen gab, die waren aber wenig effektiv. Aufgrund der schon vorhandenen Zähne kam es öfter vor, dass große Stücke abgebissen wurden. Anfangs war es ein komisches Gefühl, wenn das Baby plötzlich anfängt zu würgen und Husten aber ich habe darauf vertraut und bis jetzt wurde immer noch alles ausgespuckt, was zu groß war.

    Mittlerweile ist unser Kind mehr als 7 Monate alt und jetzt fängts langsam an, dass auch wirklich was gegessen wird! Also ein Methode zum schnellen Abstillen ist BLW sicher nicht. Leider verstehen viele denn Sinn der BEIkost nicht und ersetzen so schnell wie möglich die Stillmahlzeiten…

    Ich finde BLW sehr schön, um seine Kleinen an das Essen zu gewöhnen und ihnen so auch die Möglichkeit gibt, selbst zu probieren und erfahren, was man mit den Sticks so alles machen kann 😀

    Greets cao

  2. Die Bilder sind großartig und erinnern mich sehr an unsere Beikost Zeit. Mitlerweile ist unser Mädchen 2.5 und retrospektiv betrachtet, War es eine der aufregendsten und tollsten Erfahrungen mit anzusehen, wie ein Kind essen entdeckt. Oft habe ich gehört „die wird noch mit 5 mit den Finger essen“ oder „so stillt ihr nie ab“. Ich muss sagen, wie einfach alles entscheidet sowieso im Idealfall das Kind. Wie Du beschrieben hast, habe ich 9 Monate voll gestillt und dann stillte sich unsere Maus innerhalb von 2 Wochen tagsüber von allein ab. Auf einmal wollte sie essen. Gestillt haben wir insgesamt 28 Monate, allerdings am Ende nur noch vor dem zu Bett gehen. Seit ca. 2 Wochen bittet sie nun um ein Messer und übt das essen mit Messer und Gabel. Einfach so… und ich bin mir sicher, ds liegt an der natürlichen Neugierde, die wir ihr die gesamte Zeit gelassen haben.
    Jeder macht seine eigenen Erfahrungen, aber ich kann nur bestätigen, dass BLW eine wirklich tolle, entspannte und vor allem „lehrreiche“ Methode zur Einführung von Beikost ist.

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